Ernährung bei Durchfall in den ersten Lebensjahren
Ganz wichtig: je jünger ein Kind, desto wichtiger ist der Besuch beim Kinderarzt,
um die Folgen einer Durchfallserkrankung zu minimieren!!
Wie oft kommt es zu Durchfallserkrankungen?
Durchfälle sind weltweit neben den Lungenentzündungen die zweithäufigste Todesursache bei
Kindern.
Weltweit sterben ca. 3 Millionen Kinder, davon 80 % unter 2 Jahren an dem
Flüssigkeitsverlust beim Durchfall.
Selbst in den USA, einem Industrieland sterben noch 300 Kinder unter 3 Jahren.
Hier in Deutschland ist die Sterberate durch eine gute medizinische und soziale Versorgung
nicht
so hoch, es erkrankt aber jedes Kind mindestens einmal im Jahr an einer
Durchfallerkrankung.
Wann spricht man von Durchfall?
Von Durchfall spricht man, wenn die Kinder 4-5 Stühle am Tag entleeren.
Diese können grünlich verfärbt sein und unangenehm riechen. Die Kinder sind
dabei oft unruhig, schlafen schlecht,trinken schlecht, haben Bauchschmerzen.
Bei schweren Durchfällen sind die Stühle z.t. mit Schleim, Blut oder Eiter
vermischt, begleitet mit Fieber über 38° und allgemeinen Befindlichkeitsstörungen.
Zusätzlich kann noch Erbrechen hinzu kommen
Wie unterscheidet man die verschiedenen Durchfall-Arten?
Beim Durchfall unterscheidet man den akuten Durchfall.
Er ist eine kurzfristige Gesundheitsstörung, die meist nach einigen Tagen
wieder ausheilt.
Sie ist aber mit Flüssigkeitsverlusten verbunden, bei denen wichtige Elektrolyte
und Mineralstoffe verloren gehen. Hier entscheidet der rechtzeitige Ausgleich
über einen Ausgang ohne Komplikationen. Daher gehe ich auf dieser Seite auf dieses
Thema genauer ein.
Der chronisch bzw.rezidivierende Durchfall
dauert mehr als 2-4 Wochen.
Er kann Zeichen für ein angeborenes Leiden, für ein geschwächtes Immunsystem
( Allergien) oder Defekte der normalen Darmfunktion sein. Hier können die Therapien
genauso vielfältig sein wie die einzelnen Ursachen. Hier sollte die
Ernährungstherapie gezielt einsetzten in Zusammenarbeit mit Schwester, Arzt,
Diätassistentin
Was sind die Ursachen für einen Durchfall?
*In unseren Breiten werden Durchfälle im Säuglings- und Kleinkindalter zu 80%
durch Rotaviren hervorgerufen und treten gehäuft in den Wintermonaten auf.
*Der Rest kann bedingt sein durch Unverträglichkeiten, Allergien.
*Als Begleiterscheinung bei Medikamenten z.B. Antibiotika.
*Bei Stoffwechselstörungen oder nach Darmoperationen.
Aus diesen Gründen ist auch eine genaue Anamnese wichtig,
nur so kann ein erfolgreicher Genesungsvorgang erfolgen.
Wie sah die Ernährung viele Jahre aus?
Früher wurde der Nahrungsaufbau bei leichten und mittel schweren Durchfällen
mit einer Teepause über 48 Stunden begonnen.
Nach der Teepause wurde mit Reisschleim und Karottensuppe aufgebaut und zum
stabilisieren eine sogenannte Heilnahrung gegeben. Erst danach wurde auf eine
normale Säuglingsnahrung umgestellt.
Untersuchungen zeigten aber,das der Darmschleimhaut wichtige Nährstoffe
fehlten um sich wieder zu regenerieren und die Teepause gerade bei Säuglingen zu
Gedeihstörungen durch Nährstoffmangel und zu Unterzuckerung führten.
Wie sieht die Ernährung heute aus?
Heute gliedert sich die Ernährung auf zwei wichtige Säulen:
1. der rasche Ausgleich von Flüssigkeitsverlust und Elektrolytverlust
2. die frühe Gabe einer verträglichen Nahrung
Wie gestaltet sich die 1.Säule?
1.Säule
Der rasche Ausgleich von Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich. Hierfür sind
spezielle Elektrolytlösungen entwickelt worden.Diese gibt es in jeder Apotheke.
Interessant ist vielleicht, das diese Elektrolytlösungen ihren Ursprung in Calcutta
hatten. Durch ihr Natrium-Glucose Verhältnis werden sie gut vom Körper aufgenommen,
denn nur gemeinsam werden sie von der Darmschleimhaut resorbiert.Sie haben so vielen
Kindern in der dritten Welt das Leben gerettet. Weitere Untersuchungen haben dazu
geführt, das diese Lösungen an die Bedürfnisse in unseren westlichen Breiten
angepasst wurden und sich auch hier gute Erfolge erzielen lassen. In vielen Fällen
kann eine Infusionstherapie und ein längerer Klinikaufenthalt verhindert werden.
Bei mehr als 90 % der Kinder ist eine erfolgreiche Behandlung möglich, egal ob der
Durchfall durch Bakterien oder Viren ausgelöst wird.
Bei einem Gewichtsverlust bis zu 5% ist dies auch ambulant möglich.
Die Elektrolytlösungen werden in den ersten 6 Stunden in kleinen Portionen angeboten.
Die Menge richtet sich nach dem Gewichtsverlust des Kindes. Bei Kindern mit einem
Gewichtsverlust über 5 % sollte der Flüssigkeitausgleich in der Klinik erfolgen.
Nach 6 Stunden sollte eine Kontrolluntersuchung stattfinden, auch bei ambulant
behandelten Kindern.
Bei Besserung setzt dann die 2.Säule ein.
Gibt es verschiedene Elektrolytlösungen?
Ja,es werden von verschiedenen Firmen unterschiedliche Produkte angeboten.
Damit der salzige Geschmack von den Kindern akzeptiert wird, gibt es sie
mittlerweile in verschiedenen Geschmacksrichtungen oder sie haben einen
Bananen oder Karottenzusatz.
Für die Zusammensetzung hat die ESPGAN (Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische
Gastroenterologie und Ernährung) eine Empfehlung herausgegeben. Diese haben
die in unseren Breiten typischen Elektrolytverluste durch Virus- und bakterielle
Durchfälle , genauso berücksichtigt wie die Koppelung des Natriums an Glucose und
eine niedrige Osmolarität. Dadurch erreichen die Elektrolytlösungen ihren großen
Erfolg.
Was ist bei der zweiten Säule wichtig?
Die zweite wichtige Säule ist die frühe Gabe einer verträglichen Nahrung.
Durch die frühzeitige Gabe einer Nahrung wird die nötige Nährstoffversorgung
der Darmschleimhautzellen gewährleistet, es erfolgt so eine bessere Regeneration.
Es gibt unterschiedliche Handhabungen, die von Klinik und Arzt etwas anders gehand
habt werden.
Einen Leitfaden geben die Empfehlungen der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie
und Ernährung:
Gestillte Kinder sollen auch weiterhin Muttermilch bekommen.
In den Stillpausen werden Elektolytlösungen gefüttert.
Nicht gestillte Kinder werden abhängig vom Alter aufgebaut:
Unter 6.Monaten wird nach 6, spätestens nach 10-12 Stunden die urspüngliche
Nahrung 1:2 verdünnt (1 Teil Nahrung, 2 Teile Wasser ) und innerhalb von 2-3 Tagen,
evt. auch 3-5 Tagen auf die normale Konsistenz auf gebaut.
Über 6 Monaten bekommen die Kinder nach 6, spätestens nach 10- 12 Stunden
ihre normale Säuglingsnahrung und eine angepasst Beikost.
Evt. kann auch hier ein langsamer Aufbau sinnvoll sein.
Wichtig ist in dieser Phase, das die Säuglingsnahrung nicht gewechselt wird,
da dies den Magen-Darm-Trakt unnötig belastet. Bei Verdacht auf eine
Kuhmilchunverträglichkeit sollte der Nahrungsaufbau mit einer Kuhmilchfreien Nahrung
erfolgen.
Gibt es noch eine andere Möglichkeit des Nahrungsaufbaus in der zweiten Stufe?
Eine weitere Möglichkeit ist der Nahrungsaufbau mit den sogenannten Heilnahrungen.
Der Begriff Heilnahrung hat eine lange Tradition. Dieser Begriff ist aber irreführend,
da sie keine Heilung herbei führen. Heilnahrungen können aber einen gewissen Schoneffekt
herbei führen.
Sie sind in ihrem Lactosegehalt reduziert, haben eine niedrige Osmolarität und nutzen
die positiven Eigenschaften der Banane oder Karotten.
Diese Nahrungen können einen positiven Erfolg bei ausgeprägten, langanhalteneden
Rotaviren-Infektionen haben, die
oft sehr hartnäckig sind. Auserdem gibt Untersuchungen die belegen, das bei einer
Rotavirusinfetion
Störungen im Lactosestoffwechsel vorliegen.
Auch bei Mangelernährten Kindern können die Sog. Heilnahrungen durch ihre ausgewogene
Nährstoffzusammensetzung hilfreich sein.
Wichtig ist aber eine genaue Anamnese um die richtige Heilnahrung einzusetzen.
Es hilft nicht Kindern, die eine Hydrolysatnahrung bekamen auf eine Heilnahrung auf
Kuhmilchbasis um zu stellen. Mittlerweile gibt es auch Heilnahrungen die dieses
berücksichtigen.
Was ist eine geeignete Beikost?
Als Beikost eignet sich: z.B.Reisschleim, Karotten, Karottensuppe, Kartoffeln,
geriebener Apfel, geschlagene Banane, Zwieback, Weißbrot, gekochte Heidelbeeren
(bzw. Heidelbeertee), gekochte Brombeeren (bzw. Brombeertee).
Vorsicht bei der Fettzugabe!
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